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Weltmeisterschaften des WDC in Assen

Vizeweltmeisterschaft für Lemmi & Stella 2022 ein Turnierbericht


Anfang November fanden in Assen in den Niederlanden die Weltmeisterschaften des WDC in den Standard- und Lateintänzen für Amateurtänzer über verschiedene Altersklassen hinweg von „Under10“ bis zu „Over60“ statt.

Wir planten, bei der WM Standard „Over40“ zu starten und wenn wir schon mal da sind, auch noch gleich die „Dutch Open Over40“ mitzunehmen.

Die direkte Vorbereitung begann Mitte August mit 3 x Training pro Woche, in der Regel Dienstag/Donnerstag jeweils von 19-21 Uhr und sonntags. Dienstag und Donnerstag liegt der Schwerpunkt auf Techniktraining ohne Trainer. Wir konnten schon das eine oder andere Training in der neuen wunderbaren Halle in Bodendorf machen, zusammen mit unseren Trainingskollegen aus der Standardgruppe.

Sonntags wechseln sich Performance-Training und Technik-Training mit unserem Trainer Sascha Karabey ab. Zur konkreten Wettkampf-Vorbereitung waren Starts bei zwei kleineren Turnieren geplant. Eines davon fand in den Niederlanden Mitte September und eines in Frankreich Anfang Oktober statt. Beide konnten wir jeweils klar gewinnen und die Ergebnisse zeigten uns, dass wir „on Track“ sind. Auch konditionell fühlten wir uns auf dem richtigen Weg.


Nachdem dann in England ein großes Turnier in der Kategorie „Over35“, also noch die Kategorie für etwas jüngere Paare, auf Platz 5 mit Tendenz nach vorne abgeschlossen wurde, kam nach der Euphorie über das gute Ergebnis direkt im Anschluss am nächsten Tag leider ein Dämpfer - ich wurde krank und wir mussten die geplanten Turniere in der gleichen Woche in London und Bergamo absagen. Die Schwierigkeit war hier, kostengünstig auf direktem Weg von London nach Bonn zurückzukommen - aber das ist eine andere Geschichte.


Nachdem die Krankheit ausgestanden war, begannen wir zunächst wieder mit leichtem Training und führten noch ein paar Belastungstests in den 2 Wochen vor der WM durch. Alles schien nach Plan zu laufen und die Krankheit doch nicht einen so großen Einfluss auf die Kondition gehabt zu haben.


Am Mittwochabend vor der WM, die am Samstag stattfand, sind wir nach Assen gefahren. Am Donnerstag um 15 Uhr waren die „Dutch Open Over40“ angesetzt. Wir wollten ausgeruht an den Start gehen. Vor Ort gab es dann die Info, dass nur 3 Paare am Start sind. Bei so wenigen Teilnehmern kommt leider kein richtiger Wettkampf zustande. Aber es sollte sich herausstellen, dass das goldrichtig als Vorbereitung für die WM war, die am Samstag um 14 Uhr starten würde. Wir konnten die „Dutch Open“ klar in allen Tänzen mit fast allen Bestwertungen gewinnen, konnten einige wertvolle Erfahrungen zur Fläche, zum Umfeld und zur Organisation sammeln und außerdem erneut feststellen: Wir sind on Track.


Ein Blick in die Startliste der WM ergab, dass zwar der Sieger der EM 2022, bei der wir Vizeeuropameister wurden, fehlte, ansonsten aber die gleichen Protagonisten wie damals am Start waren. Es war zudem ein neues, relativ junges Paar gemeldet, auf das wir in diesem Umfeld noch nicht getroffen sind.


Wir kamen gegen 10:30 Uhr in der Halle an. Stella hatte für 11 Uhr einen Termin bei einer Hairstylistin vor Ort, es sollte alles sitzen. Wenn man um den Sieg mittanzen möchte, achtet man darauf, einen möglichst professionellen Eindruck in allen Belangen zu hinterlassen. Die Schuhe sind sauber, die Kleidung kommt frisch aus der Reinigung und die Frisur sitzt. Das Makeup wurde bereits vorher im Hotel fertiggestellt. Eineinhalb Stunden später war die Verwandlung perfekt - noch ein paar Korrekturen am Makeup, aufwärmen, rein in die Turniergarderobe und warmhalten bis zum Start der ersten Runde.

Es gab zwar eine Verzögerung von fast einer Stunde, aber das kommt vor auf großen Turnieren, die so vollgepackt sind wie das Turnier in Assen. Darauf ist man als Tänzer eingestellt. Die Vorrunde wurde in einer Gruppe getanzt. Das bedeutet, dass man zwischen den Tänzen die Fläche nicht verlassen kann. Alle Tänze werden direkt hintereinander weg mit mehr oder weniger langen Pausen zwischen den Tänzen getanzt - in diesem Falle weniger. Nach der Vorrunde gab es eine zwanzigminütige Pause, in der ein anderes Turnier stattfand, bevor in unserem Turnier alle Teilnehmer für das Semifinale aufgerufen wurden. Das ist ungewöhnlich - normalerweise scheiden in jeder Runde Paare aus. aber man wollte wohl zum einen eine Mindestanzahl Runden tanzen lassen - es war ja eine Weltmeisterschaft. Zum anderen gab es wohl die eine oder andere Absage.

Nun galt es, die Wertungsrichter zu überzeugen, dass man ins Finale tanzen möchte. Das Semifinale wurde im gleichen Modus wie die Vorrunde ausgetragen. Es wurde wieder in einer Gruppe getanzt und man spürte, dass heute auch die Kondition ein wichtiger Faktor werden würde. Nach unserem Turnier gab es ein weiteres Semifinale und nach etwa 15 Minuten wurden die Paare für das Finale aufgerufen - Wir waren dabei, das Finale konnte starten. Langsamer Walzer, wir bekommen Unterstützung vom Publikum - ein kleiner Wackler, aber wir kommen sehr gut durch. Die 30 x 14 m große Fläche passt uns, es könnte noch mehr Spaß machen, zu tanzen, wenn nur der Boden nicht so schmutzig wäre. Da den ganzen Tag über Weltmeisterschaften stattfinden - auch in den lateinamerikanischen Tänzen - und jeder sein neues Kleid auf der WM präsentieren möchte, liegen unzählige Perlen und Strasssteine auf der Tanzfläche. Und der Veranstalter hatte wohl keine Zeit für das Kehren des Bodens eingeplant. Im Tango, der direkt und ohne nennenswerte Pause folgt, das gleiche Bild: es läuft gut, aber wir fangen etwas später an, um konditionell nicht komplett leer zu laufen. Dann der Wiener Walzer, konditionell fordernd und auch eher lange gespielt. Danach waren wir konditionell durch. Es folgten aber noch 2 Tänze – zunächst der Slow Fox, unser stärkster Tanz, der trotzdem noch sehr gut lief. Das Publikum steht weiter hinter uns. Nun gilt es, nochmal die Kräfte für den Quickstep zu mobilisieren.

Geschafft – erschöpft ließen wir uns im Wartebereich nieder, die Siegerehrung war für vier Stunden später geplant. Natürlich tauschte man sich mit den Kollegen und Zuschauern, die man kannte, aus. Die Tänzerfamilie ist klein und man trifft sich auf verschiedenen Veranstaltungen über das Jahr verteilt wieder.

Wir selbst hatten ein nicht so gutes Gefühl und uns schon auf Platz 3 oder sogar 4 eingestellt.


Zur Siegerehrung wurden die Paare in umgekehrter Reihenfolge aufgerufen, also zuerst Platz 6, der an ein Paar aus Osteuropa ging. Platz 5 holte sich ein italienisches Paar ab. Und schließlich war die Freude groß, als nur noch 2 Paare an der Fläche standen und wir dazu gehörten. Es war das neue Paar und wir - also mindestens Platz 2, der es für uns dann auch wurde. Vizeweltmeister - wir waren sehr glücklich.

Als wir später die Wertungen sahen, wuchs unsere Zufriedenheit weiter, war es doch in drei Tänzen sehr knapp zu Platz 1.


Wir freuen uns immer noch.


Stella & Lemmi







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